Schulbehörde

Vier Pluspunkte für Sachsens Schulen

Als Schulbehörde ein Erasmus+ Konsortialprojekt beantragen, um damit Lehrkräften Fortbildungen ermöglichen – das Sächsische Landesamt für Schule und Bildung zeigt, wie es gehen kann.

Sächsische Lehrkräfte, die sich seit 2020 mit Unterstützung durch das Erasmus-Programm im europäischen Ausland fortgebildet haben, konnten anschließend in ungewöhnlicher Form eine Wertung abgeben: Ein „Stimmungsbarometer“ erlaubte es ihnen, den Zugewinn an fachlichen Kompetenzen auch online auszudrücken – und damit Auskunft über Erfolg und Qualität der Fortbildung zu geben.

Das „Stimmungsbarometer“ fand sich auf der Website des Erasmus+ Projekts „Plus 4 – Das große Plus für Sachsens Schulsystem“, das vom Sächsischen Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) koordiniert worden ist. In dem Erasmus-Projekt, das im alten Programm gestartet wurde, in dieser Form aber weiterhin mit Erasmus+ möglich ist, hat das LaSuB als Einrichtung der Schulaufsicht die koordinierenden Aufgaben übernommen. Von den Fortbildungen selbst aber profitierten vor allem die Lehrkräfte und somit die am Projekt beteiligten Schulen. Rund 200 individuelle Maßnahmen hat „Plus 4“ auf diese Weise ermöglichen können. Das Budget, das dafür in Sachsen zur Verfügung stand, lag bei rund 540.000 Euro.

Nachgefragt

Welche Erfahrungen haben Beteiligte des Landesamts für Schule und Bildung des Landes Sachsen gemacht? Lesen Sie hier mehr dazu

Angebot für Schulen im ländlichen Raum

Auslöser für die beispielhafte Initiative des LaSuB war eine bildungspolitische Entscheidung des Landes vor einigen Jahren. Demnach sollte die Beteiligung sächsischer Schulen am Erasmus+ Programm deutlich erhöht werden, um deren Internationalisierung zu fördern. Vom europäischen Austausch im schulischen Kontext erhofft sich Sachsen, Konzepte kennenzulernen, um auf den gesellschaftlichen Wandel etwa durch Zuwanderung und Migration oder das Leitbild vom inklusiven Unterricht zu reagieren. Hinzukommt, dass seit dem Schuljahr 2019/20 an allgemeinbildenden Schulen überarbeitete Lehrpläne gelten. Themen wie „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und „Medienerziehung“ sind seitdem in den Unterrichtsfächern integriert.

Den ambitionierten Zielen stand allerdings zunächst die Erkenntnis entgegen, dass viele Schulen sich den administrativen Anforderungen von Erasmus+ nicht gewachsen fühlen. „Eine Erhebung hatte ergeben, dass insbesondere kleinere Kollegien und Schulen im ländlichen Raum nicht über die personellen Voraussetzungen verfügen, eigenständig einen Antrag zu formulieren und die Projekte umzusetzen“, sagt Roma Schultz, die in der Startphase für das LaSuB als „Plus 4“-Projektkoordinatorin tätig gewesen ist. Schulvereine oder Schulträger sahen sich zudem oft nicht in der Lage, die Verantwortung für die mitunter beträchtlichen Fördermittel, die es zu verwalten gilt, zu übernehmen. „Es war uns aber wichtig, auch diese Schulen zu erreichen, damit sie erkennen, welchen Mehrwert Erasmus+ für Schulen hat.“

 

Fortbildung nach Maß

Einen Ausweg bot das Konsortialprojekt, das zunächst landesweit über das Schulportal ausgeschrieben wurde. Zahlreiche Schulen signalisierten daraufhin Interesse. 33 konnten schließlich ausgewählt werden. Fast die Hälfte davon waren Grund- und Förderschulen, die im bisherigen Programm Erasmus+ unterrepräsentiert gewesen sind. Um die Schulleiter bei der Ausarbeitung des Projektantrags zu entlasten, blieb ihre Aufgabe auf wenige stichpunktartige Erläuterungen begrenzt. „Wichtig war allerdings eine nachvollziehbare Darstellung, welchen Mehrwert die Fortbildungen später für das Schulprogramm und den Unterricht haben würden“, erläutert Kerstin Kühner. Das galt vor allem für die vier Themenfelder, die hinter dem Projekttitel stehen und das „Plus“ für Sachsens Schulen ausmachen sollen: Mit „Inklusion im Unterricht“ und „Bildung in der digitalen Welt“ wurden dabei aktuelle bildungspolitische Themen aufgegriffen, die auch im seit 2021 laufenden Erasmus-Programm eine zentrale Rolle spielen.

Welche Fortbildungen die Lehrkräfte tatsächlich besuchen würden, entschieden die Schulen eigenverantwortlich. „Für uns ist es wichtig, dass damit Fortbildungen oder Hospitationen zu Themen ermöglicht werden, die durch Angebote des Landes bislang nicht in dem erforderlichen Ausmaß abgedeckt werden konnten“, sagt Kerstin Kühner. Damit die Fortbildungen dennoch möglichst auf Schule und Unterricht wirken konnten, musste jeder Teilnehmer vier Ziele formulieren, die er für sich persönlich und seine Schule erreichen wollte – und zum Projektende einschätzen, in welcher Form sie erreicht wurden. Schulleitungen sollten zudem dokumentieren, wie die europäische Projektarbeit sich in der Entwicklung des Schulprogramms niedergeschlagen hat.

Fortbilden wollten sich allerdings auch Mitarbeitende des LaSuB. „Als lernende Behörde möchten auch wir unsere Arbeitsweise kontinuierlich professionalisieren und durch internationale Erfahrungen bereichern“, sagt Kerstin Kühner. Bereits bestehende Kontakte mit Frankreich und Österreich wurden daher vertieft, Kontakte nach Spanien neu begründet. Roma Schultz zum Beispiel hatte die Gelegenheit, an einer dem LaSuB vergleichbaren Einrichtung in Rioja und Sevilla zu hospitieren und die dortigen Fortbildungskonzepte kennenzulernen. „Die Ansätze und Herangehensweisen können ja sehr unterschiedlich sein“, sagt sie. Den Kontakt zu den spanischen Einrichtungen konnte sie aus einem früheren Erasmus-Projekt gewinnen.

Und natürlich setzte Sachsen darauf, dass Schulen und Lehrkräfte, die mit „Plus 4“ die Möglichkeiten mit Erasmus+ erfahren haben, das Programm auch in Zukunft als Instrument der Schulentwicklung nutzen. „Lehrkräfte, die mit frischer Motivation und Begeisterung für ihren Unterricht zurückkommen, können auch ihre Kolleginnen und Kollegen anstecken“, ist Kerstin Kühner optimistisch.

Lernen und Bewegung verbinden

In den von Ihnen besuchten Fortbildung ging es um die Verbindung von „Lernen und Bewegung“. Warum war genau dieses Thema wichtig für Sie?
Dieser Ansatz ist insgesamt sehr wichtig, kommt aus meiner Sicht aber in der täglichen Unterrichtsarbeit immer noch zu kurz. Insbesondere im Zusammenhang mit der voranschreitenden Digitalisierung in den Schulen ist es notwendig, vielfältige Möglichkeiten zu schaffen, um das Lernen so oft als möglich mit Bewegung zu verbinden.

Was aus der Fortbildung konnten Sie für Ihre alltägliche Unterrichtspraxis mitnehmen und bereits einsetzen?
Die Spielideen des Kurses haben wir im Kollegium geteilt. Dies erfolgte in Form eines schulinternen Fachzirkels durch Lernen an Stationen, in denen jeder selbst tätig werden musste, um Spielideen auszuprobieren und um diese für die eigene Arbeit zu testen. Außerdem wurde darüber diskutiert, welche Möglichkeiten der Adaption für den Fächerkanon der Grundschule bestehen.
Meine 4.Klasse nahm Anteil an meiner Fortbildung, indem diese eine Lerntheke zum Thema Island bearbeitet hat. Dabei wurde Landeskunde vermittelt und ebenso der spielerische Ansatz gekoppelt mit viel Bewegung verfolgt.

Wenn Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen einen Tipp mit auf den Weg geben können: Worauf sollten sie bei der Auswahl einer möglichst passgenauen Fortbildung achten?
Ich empfehle jeder Kollegin/jedem Kollegen, die Möglichkeit der Fortbildung im Rahmen von Erasmus zu nutzen. Der Blick über den Tellerrand bereichert das eigene Ich ebenso wie die Arbeit im schulischen Kontext. Bei der Kursauswahl sollten die eigenen Fächer, die unterrichtet werden, eigene Wünsche und Bedürfnisse sowie die Schwerpunkte des Schulprogrammes Beachtung finden. Zweifel an Sprachbarrieren sollte man bei der Kursauswahl ausblenden.