Akkreditierung als Konsortium

So profitieren auch Grundschulen von Erasmus+

In Hannover erleichtert das regionale Schulamt durch ein Konsortium den europäischen Austausch. So sind Auslandserfahrungen für Lehrkräfte und Kinder möglich - und durch Besuch aus dem Ausland wird auch der Grundschulalltag international.

Wenn es um europäischen Austausch geht, dann haben Grund-, Haupt-, Ober-, Real- und Förderschulen eines gemeinsam: Sie beteiligen sich am Erasmusprogramm bisher weniger als andere Schultypen – oft aus Unsicherheit, weil administrative Hürden als aufwendig gelten. Abhilfe kann ein Konsortium schaffen, bei dem nur eine Einrichtung den Antrag stellt und so anderen Schulen oder Kitas niederschwellig die Teilnahme ermöglicht. Konkret umgesetzt wird das bereits in Niedersachsen: Das Regionale Landesamt für Schule und Bildung (RLSB) Hannover ist Koordinator eines akkreditierten Konsortiums.

Europakuchen auch für Grundschulen

Europa erleben, internationale Erfahrungen sammeln und von anderen Ländern lernen, wie dort Inklusion, Digitalisierung oder Demokratiebildung funktioniert – das können Lehrkräfte, Schulleitungen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Regionalen Landesamts für Schule und Bildung (RLSB) Hannover im Rahmen eines Erasmus+ Konsortiums.
Zum Start gab es ein feierliches Kick-Off-Event bei dem die erfolgreiche Europaarbeit an der Grundschule Wasserkampstraße vorgestellt wurde.

Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg bedankte sich für das Engagement: „Je früher damit begonnen wird, Schülerinnen und Schüler für ein gemeinsames Europa zu interessieren, umso leichter wird es ihnen eines Tages fallen, selbst Verantwortung für Europa und seine Werte zu übernehmen. Es ist somit bemerkenswert, wenn bereits Grundschulen gemeinsam mit dem RLSB die Erasmus-Angebote und damit verbundene Chancen nutzen.“

Wir stellen im Folgenden drei Beispiele vor, was durch das Konsortium bereits ermöglicht wurde.

Spanische Schulkinder zu Besuch

Gemeinsam den Stadtwald entdecken

Quirlig ging es während des Willkomensfrühstücks an der Lutherschule Hannover zu: Neun Schülerinnen und Schüler aus Fuerteventura waren zu Gast und tauschten sich mit dem 6. und 7. Jahrgang der Lutherschule aus. Die jungen Schülerinnen und Schüler verstanden sich auf Anhieb und verständigten sich auf Englisch, Spanisch und mit Händen und Füßen.

Die inhaltliche Arbeit wurde von den Fremdsprachenassistenten Ilenia und Miguel begleitet, die zwischen Deutsch und Spanisch vermittelten. Gemeinsam erkundete die internationale Gruppe mit allen Sinnen den Stadtwald von Hannover, die Eilenriede. Mit verbundenen Augen hörten, rochen und erfühlten die jungen Forscherinnen und Forscher den Wald. Im Unterholz wurden Insekten und wirbellose Tiere entdeckt und mit der Becherlupe begutachtet und bestimmt.

Anschließend sammelten die Kinder Wildkräuter und bereiteten damit Kräuterbutter und Kräuterquark zu. „Die Natur dient als verbindendes Element zwischen den deutschen und spanischen Kindern“, freuten sich die Workshop-Leiterinnen Heike Uphoff und Irene Borchers vom Schulbiologiezentrum.

 

Fortbildung im Ausland

Nachhaltig fortgebildet in den Niederlanden

„Durch das Konsortium wurde mir die Fortbildung quasi auf dem Silbertablett serviert“, erinnert sich Antje Wedemeier. Die Grundschullehrerin leitet eine vierte Klasse an der Albert-Schweitzer-Schule in Hannover. An der Ganztagsschule können Kinder auch nachmittags an Angeboten teilnehmen, beispielweise zu »Bildung für Nachhaltige Entwicklung« (BNE). Um BNE stärker im Schulprofil zu verankern, half das Regionale Landesamt für Schule und Bildung Hannover der Grundschullehrerin dabei, eine passende EU-Fortbildung zu finden.

Zum Kurs reiste Wedemeier selbstverständlich nachhaltig an – mit dem Zug von Hannover ins niederländische Enschede. Gemeinsam mit Lehrkräften aus Portugal und Frankreich besuchte sie dort zwei Schulen, an denen Nachhaltigkeit beispielhaft umgesetzt wird. Neben dem theoretischen Input empfand Wedemeier auch den internationalen Austausch in gemischten Gruppen als inspirierend. Am Ende stand dabei die Aufgabe, länderübergreifend ein Projekt zu planen – um das Gelernte auch nachhaltig zu nutzen.

Gemeinsam mit Lehrkräften aus Frankreich und Portugal arbeitete Antje Wedemeier die Idee für eine »Happy Week« aus, bei der das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler vor allem durch Aktivitäten im Freien verbessert werden soll. Das Projekt hat sie zum Teil bereits umgesetzt, eine digitale Fortsetzung via eTwinning ist ebenfalls schon geplant. Durch den Kurs ist Antje Wedemeier so motiviert, dass sie auch im Kollegium nach Mitstreitern sucht.

 

Foto Grundschullehrerin
Antje Wedemeier ist Grundschullehrerin an der Albert-Schweitzer-Schule in Hannover

„Ich habe jetzt so viel Lust auf Austausch bekommen, dass ich mit meiner vierten Klasse gerne ins Ausland fahren und dafür meine neuen Kontakte nutzen möchte.“

Experteneinladung

Einblicke in den finnischen Schulalltag

Mit Erasmus+ können nicht nur Lehrkräfte an Schulen im Ausland neue Einblicke gewinnen. Es gibt auch die Möglichkeit, Expertinnen und Experten einzuladen.

Das hat das Landesamt Hannover genutzt: Esa Kukkasniemi leitet eine Grundschule bis zur 6. Klasse in der finnischen Gemeinde Kirkkonummi. Er kam im Rahmen einer Expertenveranstaltung nach Hannover und gab Einblicke zu Finnland, dem dortigen Schulsystem, der Lehrerbildung und dem aktuellem Kerncurriculum, aber auch zum Thema Inklusion und den derzeitigen Herausforderungen im finnischen Schulalltag. In der anschließenden Diskussion wurden die vielen Herausforderungen deutlich, die Schulen nach der Pandemie bewältigen müssen. So haben verschiedene Angsterkrankungen unter Schülerinnen und Schülern zugenommen. Zugenommen hat zudem der Schulabsentismus. Aber auch Unterschiede, wie etwa kostenlose Schulbücher, Schulmaterialien und Laptops sowie ein warmes Mittagessen für finnische Schülerinnen und Schüler, wurden thematisiert.

Aus Sicht von Mathias Mierowski war die Einladung ein voller Erfolg: „Durch die Einladung von Experten nach Hannover kann ein größerer Personenkreis hier vor Ort von unserer Erasmus-Akkreditierung als Behörde profitieren. Es wurde ein Mehrwert für Lehrkräfte, Schulleitungen sowie Dezernentinnen und Dezernenten des RLSB erreicht.“