Erasmus+ Schule

Vernetzte Kitas im europäischen Austausch

Das Staatsinstitut für Frühpädagogik (München) ermöglicht es bayerischen Kitas, mit Erasmus+ ihre Inhalts- und Prozesskompetenzen zu aktuellen Herausforderungen zu stärken.

Wenn von „Bildung in der digitalen Welt“ die Rede ist, hat Christine Hacker vor allem die Kleinsten im Blick: „Auch an Kitas hält die Digitalisierung immer weiter Einzug, denn dies ist die Zukunft.

Kitas sind ein Ort zum Spielen, bereiten aber auch spielerisch auf die Welt von morgen vor“, sagt die 58-Jährige, die am Landratsamt Mühldorf am Inn (Bayern) in der Pädagogischen Qualitätsbegleitung tätig ist. Dass sie selbst viele Jahre als Erzieherin gearbeitet hat, hilft ihr in der Beratung der Einrichtungen in ihrem Landkreis. Eine wertvolle Hilfe sind ihr allerdings auch die praktischen Erfahrungen, die sie noch vor der Coronapandemie während einer Fortbildung in Estland machen konnte. „Im Vergleich zu Estland stehen wir noch am Anfang“, hat sie dort feststellen können. Umso wichtiger sei es deshalb, dass Erzieherinnen und Erzieher sich mit den pädagogischen Herausforderungen beim Einsatz Neuer Medien beschäftigten.

Möglich wurde die Fortbildung im Rahmen eines Erasmus+ Projekts, das vom Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) 2018 initiiert worden war. Getreu dem Motto „Voneinander lernen und profitieren“ wurde im Praxisbeirat, einem Netzwerk bayerischer Kindertageseinrichtungen, die ihre Sichtweise in die Arbeit des IFP einbringen, die Idee dazu weiterentwickelt. Das IFP wiederum ist ein wissenschaftliches Institut, das dem Bayerischen Sozialministerium nachgeordnet ist und Aufgaben auf den Gebieten Forschung, Praxistransfer und Politikberatung im Bereich der Frühpädagogik wahrnimmt.

Christine Hacker
mit Erasmus+ Inhalts- und Prozesskompetenzen zu aktuellen Herausforderungen stärken

„Durch den Austausch, die Evaluation und die Diskussion von Möglichkeiten des anschließenden Transfers findet eine vertiefte Auseinandersetzung im Netzwerk statt, an der alle Mitglieder teilhaben.“

Entwicklungsmöglichkeiten auf vielen Ebenen

Während der langjährigen Zusammenarbeit im Praxisbeirat haben die Leiterinnen und Leiter der Einrichtungen im individuellen Austausch und durch Hospitationsanfragen anderer Kitas viele Impulse erhalten. Doch mit der Zeit wuchs der Wunsch nach einem Blick über das eigene Netzwerk hinaus und nach neuen Ideen. „Damit war die Idee geboren, sich aus den europäischen Nachbarländern Anregungen zu Entwicklungen im frühpädagogischen Bereich zu holen“, berichtet Beatrix Broda-Kaschube, Abteilungsleiterin am IFP, das daraufhin ein Erasmus-Konsortialprojekt entwickelt hat. Eine solche Zusammenarbeit ist auch im neuen Programm seit 2021 möglich, beispielweise im Rahmen eines sogenannten Mobilitätskonsortiums oder einer Kooperationspartnerschaft.

Lerntagebücher zur späteren Reflexion

Um möglichst vielfältigen Nutzen aus dem Projekt zu ziehen, legt die Projektleitung großen Wert auf dessen gründliche Vor- und Nachbereitung. Kernstück der Vorbereitung sind Leitfragen, die für die Hospitationen und auch den Kurs erarbeitet wurden und an die gastgebenden Einrichtungen gesendet wurden. Ein schönes Feedback ganz im Sinne des Austauschgedankens kam von einer Einrichtung, die berichtet hat, dass sie zunächst die Fragen schwierig zu beantworten fand, diese dann aber bewusst genutzt hat, um sich selbst damit auseinanderzusetzen. Darüber hinaus füllen die Teilnehmenden ein Lerntagebuch aus, in das sie etwa ihre Erwartungen notieren, wie ihre Kita von den Erkenntnissen profitieren kann und wie die neuen Ideen zuhause umgesetzt werden sollen.

Auch während des Aufenthalts hielten die pädagogischen Fachkräfte ihre Eindrücke anhand einiger Fragen im Lerntagebuch fest und fassten sie mit zeitlichem Abstand nach der Reise in einer Reflexion zusammen. Die abschließende Dokumentation erfolgte in Kleingruppen, an deren Ende eine gemeinsame PowerPoint-Präsentation entstand, die allen Beteiligten zur Verfügung steht. So hatten alle Teilnehmenden im Projekt auch eine Rolle als Multiplikatoren und trugen die Erkenntnisse in die eigene Kita und ihren Arbeitsalltag.

Das Projekt zeigt, dass im europäischen Austausch, der im Bereich der Frühpädagogik bislang nur in geringem Maß stattfindet, ein hohes Potenzial liegt. Nicht zuletzt deshalb hat das IFP im Anschluss wieder einen Antrag für Erasmus+ gestellt, bei dem diesmal die Themen Nachhaltigkeit und Demokratiebildung im Fokus stehen. Damit das Netzwerk wächst, konnten sich weitere Kindertagesstätten für eine Beteiligung bewerben. Doch das IFP selbst möchte ebenfalls Gäste aus dem Ausland empfangen: Wie auch die Kitas steht es selbst für Hospitationen offen – und freut sich auf den hoffentlich bald wieder möglichen Besuch von Kolleginnen und Kollegen aus Europa.