Akkreditierung: Schüleraustausch

Erfahrungen im Schüleraustausch mit Erasmus+

Elisabeth aus Koblenz hatte das Glück, am Gymnasium auf der Karthause insgesamt viermal an Austausch und Projektarbeit mit Erasmus+ teilzunehmen. Die Schülerin vergleicht ihre Erfahrungen mit individuellem Austausch und als Teil einer Gruppe.

Im Frühling 2021 gab es Grund zur Freude am Gymnasium auf der Karthause in Koblenz: Die Schule hatte sich erfolgreich bei Erasmus+ akkreditiert. Seitdem können jährlich verschiedene Austauschaktivitäten stattfinden: Lehrkräfte haben Partnerschulen in Frankreich, Finnland oder Spanien besucht um sich bei Job Shadowings inspirieren zu lassen, Schülerinnen und Schüler sind für Kurzprojekte oder längeren Schulaustausch im Ausland.

Für Elisabeth ergab sich sogar viermal die Gelegenheit, an Austausch mit Erasmus+ teilzunehmen. Das hat die Elfklässlerin zum Anlass genommenen, für andere Schülerinnen und Schüler zusammenzufassen, welche Möglichkeiten es mit Erasmus+ eigentlich gibt und worin die Unterschiede liegen.

Schülerin Elisabeth vom Gymnasium auf der Karthause
Elisabeth (16 Jahre) ist Schülerin am Gymnasium auf der Karthause in Koblenz

„Im Laufe meiner Schulzeit hatte ich durch Erasmus+ die Chance, an insgesamt vier Austauschen teilzunehmen. Dadurch hatte ich das Privileg, ganz unterschiedliche Erfahrungen zu machen. Ich persönlich kann Austausch jedem empfehlen. Trotzdem ist es wichtig, den für sich als Person passenden Ort, die passende Länge und die passende Art von Austausch zu finden.”

Erfahrungsbericht von Elisabeth

Welcher Austausch passt zu mir?

Grundlegend sollte man sich zunächst darüber im Klaren sein, was ein Austausch überhaupt ist: Man lebt in einer anderen Familie. Dort übernimmt man deren Routine oder gliedert sich in den Alltag ein. Man muss natürlich offen für andere Kulturen, neue Aktivitäten und das Sprechen einer anderen Sprache sein. Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass euch vor Ort kein Urlaub erwartet, sondern die Möglichkeit, in das Leben einer anderen Person hineinzuschnuppern und neue Freunde zu finden.

Jetzt, da wir geklärt haben, was ein Austausch ist und dass das, was euch erwartet, nach etwas klingt, das euch Spaß machen könnte, kommen wir zu den verschiedenen Austauscharten. Bei uns an der Schule werden zwei Formen angeboten.

Meine Erfahrungen mit Erasmus+ Gruppenaustausch

Zum einen gibt es Gruppenaustausche: Dabei fährt man gemeinsam mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern, erfahrungsgemäß etwa fünfzehn bis zwanzig Personen, wobei dies variieren kann, und je nach Gruppengröße mit einigen Lehrkräften, meist zwei. Das Besondere ist, dass es ein festes Programm gibt und man nur ein bis zwei Tage Freizeit hat. Das Programm reicht von Projektarbeit und Museumsbesuchen über gemeinsame sportliche Aktivitäten bis hin zum regulären Unterricht. Man ist dabei praktisch immer in der Gruppe unterwegs und hat wenig Zeit allein mit dem Austauschpartner.

Vor allem für Schülerinnen und Schüler, deren Englischkenntnisse noch nicht sehr sicher sind oder die Sorge haben, sich nicht gut verständigen zu können, ist dies eine sehr gute Option. Wenn man einmal nicht weiß, wie man etwas ausdrücken soll, kann man jederzeit Mitschülerinnen und Mitschüler in der Nähe um Hilfe bitten.

Ein großer Nachteil von Gruppenaustauschen ist jedoch das Risiko, dass sich die Gruppe in „deutschsprachig“ und „nicht deutschsprachig“ aufteilt, da es oft vertrauter ist, Zeit mit den eigenen Freunden zu verbringen. Hier kann ich euch nur ermutigen, euch bewusst auch der Gruppe eurer Austauschpartner anzuschließen, schließlich seid ihr genau dafür dort.

Ein weiterer Nachteil ist, dass man den Alltag und die Routine nicht ganz authentisch erlebt. Häufig ist das Programm bis in den Nachmittag oder Abend hinein gefüllt, sodass kaum Zeit bleibt, an Hobbys des Austauschpartners oder am regulären Schulunterricht teilzunehmen. Andererseits bekommt man durch dieses volle Programm in kurzer Zeit sehr viel von der Region zu sehen. Bei Gruppenaustauschen kann man jedoch weder das Ziel noch die Aufenthaltsdauer selbst bestimmen, das entscheidet die organisierende Lehrkraft.

Individueller Austausch: Meine Erfahrungen

Zum anderen gibt es bei Erasmus+ sogenannten Individualaustausch. Das zeichnet sich dadurch aus, dass man den Aufenthalt ohne begleitende Lehrkraft verbringt. Typischerweise reisen kleine Gruppen von zwei bis vier Schülerinnen und Schülern, manchmal reist man auch allein. Selbst wenn man die Mitreisenden vorher nicht gut kennt, muss man sich keine Sorgen machen. Bei meinen beiden Individualaustauschen war ich jeweils mit Schülerinnen und Schülern unterwegs, die ich vorher kaum kannte. Trotzdem haben wir viel Zeit miteinander verbracht und hatten großen Spaß. Und selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass man sich nicht gut versteht, kann man Zeit mit dem Austauschpartner oder neuen Freunden verbringen.

Wichtig ist, dass es bei Individualaustauschen so gut wie kein von der Schule vorgegebenes Programm gibt. Natürlich besucht man den Unterricht zu den regulären Zeiten, aber die restliche Zeit kann man weitgehend frei gestalten. Während des Aufenthalts arbeitet man außerdem an einer kleinen Projektarbeit für die deutsche Schule. Durch diese Austauschform erlebt man den regulären Alltag und das Familienleben besonders intensiv. Die geplanten Aktivitäten können individuell abgestimmt werden, da man gemeinsam mit der Gastfamilie entscheidet, worauf man Lust hat.

Wenn ihr euch für einen Individualaustausch entscheidet, solltet ihr euch Gedanken über die Dauer machen. Dabei muss man berücksichtigen, dass der verpasste Unterrichtsstoff selbstständig nachgeholt werden muss. Es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, zum Beispiel in welcher Jahrgangsstufe ihr seid, ob es euer erster Austausch ist und wie eure schulischen Leistungen derzeit aussehen.

In der Oberstufe sind längere Austausche eher nicht zu empfehlen, während sie in der Mittelstufe gut umsetzbar sind. Wer bereits größere schulische Schwierigkeiten hat, sollte bedenken, dass zusätzlicher versäumter Stoff die Situation verschärfen könnte. In diesem Fall wäre ein kürzerer Aufenthalt sinnvoller. Wenn man noch keine Erfahrungen mit längeren Auslandsaufenthalten hat, empfiehlt es sich ebenfalls, zunächst einen kürzeren Zeitraum zu wählen und sich Schritt für Schritt heranzutasten.

Auch ohne eigenes freies Zimmer kann man an einem Austausch teilnehmen. Bei kürzeren Aufenthalten ist es durchaus möglich, sich ein Zimmer zu teilen. Unsere Schule arbeitet mit mehreren Partnerschulen zusammen, aus denen man wählen kann. Wenn man persönliche Kontakte hat, kann man dort auch bei Bekannten wohnen. Und falls ein Land nicht auf der Liste steht, lohnt es sich, nachzufragen, mit etwas Glück kann unsere Koordinatorin Frau Caesar etwas organisieren.

"Ich wollte diese Chance ergreifen"
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