Akkreditierung

Mit „Active Citizenship“ Europa entdecken

Die Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld (Hessen) fördert mit Erasmus+ die Partizipation. Für ihren Ansatz zu „Active Citizenship“ wurde die akkreditierte Schule mit dem European Innovative Teaching Award ausgezeichnet.

Europa erfahrbar machen und mit Erasmus+ das Schulprofil stärken? Die Modellschule Obersberg in der hessischen Kleinstadt Bad Hersfeld zeigt, wie das auch jenseits des Fremdsprachenunterrichts gelingen kann. Die Idee dahinter ist überzeugend: Damit Europa funktioniert, braucht es Teamarbeit – auch in der Schule.

Aus diesem Grund wird das Schulprogramm mit Erasmus+ verzahnt und der Fachunterricht um europäische Perspektiven ergänzt. So gelingt es, die aktive Teilhabe der Schülerinnen und Schüler zu fördern und fächerübergreifend wichtige Kompetenzen zu vermitteln – etwa im Schulaustausch mit gemeinsamen Forschungsaktivitäten zu Umweltfragen oder durch die Auseinandersetzung mit ihrer europäischen Identität.

Das Ergebnis dieser Bemühungen zeigt Wirkung: Was als Einzelprojekt begonnen hat, ist heute integraler Teil des Schullebens. Ob im Fachunterricht, beim Fremdsprachenlernen oder während eines Auslandspraktikums – die Schülerinnen und Schüler erleben internationale Zusammenarbeit ganz natürlich. Und auch die Lehrkräfte profitieren vom Austausch untereinander.

Für ihre gelungene Projektarbeit wird die Schule mit dem European Innovative Teaching Award 2025 ausgezeichnet, der höchsten europäischen Auszeichnung für Erasmus+ Projekte.

 

Lehrer für Englisch und Physik
Sebastian Kiehl ist Lehrer für Englisch und Physik und Teil des Erasmus-Teams der Schule.

„Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir auch Schüler ansprechen wollen, die keinen Sprachen-Leistungskurs haben.“

Fächerübergreifend lernen in ganz Europa

Die Schülerinnen und Schüler an der Modellschule Oberberg konnten so dank Erasmus+ Schlüsselkompetenzen entwickeln, die weit über den klassischen Unterricht hinausgehen – und zwar rund um demokratische Werte und ihre Rolle in der europäischen Gemeinschaft.

Dabei standen praktische Erfahrungen im Vordergrund: In Belgien etwa erlebten sie einen Workshop mit einem Journalisten zum Thema Fake News, in Spanien führten Gespräche mit Archäologen zu einer neuen Sichtweise auf die Aufarbeitung der Franco-Diktatur, in Sizilien interviewten sie afrikanische Geflüchtete in einer Hilfsorganisation, und in Norditalien untersuchten sie den Fluss Agno direkt vor Ort.

„Man kann eigentlich keine negativen Erfahrungen machen, man lernt immer etwas dazu“, sagt Schülerin Lavinia über die Möglichkeit mit Erasmus+ Europa kennenzulernen. Die 16-Jährige hat ein Praktikum in Frankreich absolviert. Dort hat sie bei einer Gastfamilie gelebt, die sie schon seit einem Schüleraustausch in der siebten Klasse kennt. „Wir haben immer noch regelmäßigen Kontakt und treffen uns im Sommer“, erzählt sie.

Durch den Aufenthalt bei Gastfamilien tauchten die Jugendlichen tief in den Alltag einer anderen europäischen Familie ein – eine Erfahrung, die sie nicht nur auf persönlicher Ebene, sondern auch gesellschaftlich stärkt. Denn nur wer wirklich teilnimmt und erlebt, kann Active Citizenship leben und sich als Teil Europas fühlen.

Lehrerin für Französisch und Biologie
Corina Klose ist Lehrerin für Französisch und Biologie und Teil des Erasmus-Teams der Schule.

„Was einst als einzelnes Vorhaben begann, hat unsere ganze Schule verändert. Heute blicken wir mit einer neuen europäischen Perspektive auf unsere Arbeit: Schülerinnen und Schüler knüpfen Freundschaften zu ihren Partnern in Europa, besuchen sich gegenseitig und fordern regelmäßig neue Projekte ein.“

Ausgezeichnet mit dem European Innovative Teaching Award

Um Erasmus+ im Schulleben zu verankern, spielen die Lehrkräfte eine zentrale Rolle. „Schon in früheren Projekten haben wir darauf gesetzt, dass sie gut vorbereitet werden – fachlich, persönlich und interkulturell“ , sagt Klose. Strukturierte Fortbildungen und Job-Shadowings ermöglichten dem Kollegium in Bad Hersfeld den Austausch und die Vernetzung in ganz Europa. So konnten Lehrkräfte aus verschiedenen Fachrichtungen motiviert werden, selbstbewusst Mobilitäten zu begleiten und den Austausch mitzugestalten.

Dabei hat die Schule auch auf vorhandene Ressourcen zurückgegriffen. Die Zusammenarbeit mit Partnerschulen in Polen und Finnland basiert auf bestehenden Partnerschaften des Landkreises Hersfeld-Rotenburg mit dem Kreis Dzialdowski in Polen und der finnischen Stadt Hyvinkää, erklärt Schulleiter Karsten Backhaus. Er ist sich sicher, dass es auch nach Ende der Programmlaufzeit ab 2028 damit weitergehen wird. Mittlerweile wurde auch der berufliche Bereich der Modellschule Oberberg erfolgreich über die Nationale Agentur für Berufsbildung (NA BiBB) akkreditiert, sodass die ganze Schulgemeinschaft in Europa mobil sein kann.

Ein freiwilliger Kurs „Europa“ ist entstanden, der von vielen Schülerinnen und Schülern gewählt wird und beispielsweise dafür zuständig war, im März eine Schülergruppe aus Ungarn zu empfangen: „Der Besuch der ungarischen Gruppe an der MSO war für alle Beteiligten eine bereichernde Erfahrung. Wir haben nicht nur viel über das Leben und Lernen in Ungarn erfahren, sondern auch unsere eigene Stadt und Kultur aus einer neuen Perspektive betrachtet. Die Woche verging wie im Flug, und wir alle haben neue Freundschaften geschlossen. In Zukunft hoffen wir, den Kontakt aufrechtzuerhalten und vielleicht selbst noch einmal nach Ungarn reisen zu können. Der Austausch hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll interkulturelle Begegnungen sind und wie sehr sie dazu beitragen, Verständnis und Offenheit für andere Kulturen zu fördern“ - so fassten die Kursteilnehmenden das Erlebnis für die Schulwebsite zusammen.

Praxisbeispiele und Informationen zu „Demokratiebildung und europäische Werte“
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