eTwinning

Die Kraft der Literatur

Von der Textanalyse zum politischen Handeln: In diesem preisgekrönten eTwinning-Projekt nehmen Jugendliche die Texte von George Orwell, Aldous Huxley oder Margaret Atwood zum Anlass für eine Auseinandersetzung mit dystopischen Tendenzen der Gegenwart.

Machtmissbrauch und Überwachung durch totalitäre Regime, Manipulation und soziale Spaltung – dystopische Literatur entwirft dunkle Zukunftsvisionen. Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse eines niedersächsischen Gymnasiums beschäftigten sich jedoch nicht nur mit den literarischen Texten als Fiktion. Im Austausch mit Jugendlichen aus Italien, Belgien und der Türkei analysierten sie ausgehend von der Lektüre verschiedener Werke dystopische Tendenzen in der Gegenwart und leiteten daraus Strategien ab, um solchen Entwicklungen entgegenzutreten. 

Das Austauschprojekt dockt damit am Curriculum für den Englisch-Unterricht in der Jahrgangsstufe 10 in Niedersachsen an, indem das Thema der dystopischen Literatur sowie eine verpflichtende Lektüre festgeschrieben sind. Gleichzeitig verfolgt es das Ziel, die bürgerschaftlichen Kompetenzen der Jugendlichen zu stärken. „Denn unsere Demokratie ist nichts Selbstverständliches. Wir müssen uns immer wieder aktiv für sie einsetzen“, wie Benedikt Liebsch betont.

Dystopische Klassiker

Dazu gehört für den Fachobmann Englisch am Teletta-Groß-Gymnasium in Leer auch, die eigene Schule stärker international zu vernetzen. Über die European School Education Platform teilte er daher seine Idee zum Projekt „Dystopian Visions: The Power of Literature“ und fand schnell interessierte Lehrkräfte. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Italien, Belgien und der Türkei verständigte er sich darauf, dass jede Klasse ein Buch auswählt und sich zunächst individuell mit dem Text auseinandersetzt. In Deutschland geschah das durch Bezüge zum Nationalsozialismus und Stalinismus auch im Kontext des Geschichtsunterrichts, berichtet Benedikt Liebsch, der neben Englisch auch Geschichte unterrichtet. 

Die Schülerinnen und Schüler analysierten George Orwells „Animal Farm“ und trugen Informationen zum Autor, zum Entstehungskontext sowie zur Rezeption des Romans zusammen. Sie identifizierten dystopische Elemente und zogen Verbindungen zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Ihre Ergebnisse bereiteten sie mithilfe von digitalen Gestaltungstools für die europäischen Partner auf. Herzstück des Projekts waren aber die Videokonferenzen, in denen die Jugendlichen sich nicht nur persönlich kennenlernten, sondern in Break-Out-Räumen ihre Gedanken zu den unterschiedlichen Lektüren und dystopischen Tendenzen der Gegenwart teilten.

Instagram-Account zum Projekt

Hier gibt es Einblicke in die Projektarbeit und zahlreiche Ergebnisse.

Zu Instagram
Benedikt Liebsch, Lehrer für Englisch und Geschichte am Teletta-Groß-Gymnasium in Leer

„Diese Art der Zusammenarbeit wurde von den Schülerinnen und Schülern als attraktive Alternative zum klassischen, lehrerzentrierten Unterricht empfunden. Der Austausch auf Augenhöhe steigert die Motivation und im besten Fall entstehen Freundschaften. Teilweise bestehen die Kontakte zu den Jugendlichen aus den anderen Ländern noch heute.“

 

Kollaboratives Arbeiten

Der intensive Austausch in Kleingruppen legte den Grundstein für die anschließende kollaborative Projektaktivität: In internationalen Teams schrieben die Schülerinnen und Schüler eigene dystopische Short Stories. Diese sowie die Analysen der einzelnen Gruppen zu den gelesenen Werken finden sich in einem umfangreichen eBook, in dem alle Projektergebnisse dokumentiert sind. Viel wichtiger als diese Dokumentation sind jedoch die Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler gemacht haben. Durch den europäischen Austausch und die Auseinandersetzung mit dystopischen Tendenzen konnten sie persönlich wachsen.

Benedikt Liebsch

„Gemeinsam haben wir Strategien gegen solche dystopischen Tendenzen in unserer Gesellschaft entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler haben so erfahren, wie wichtig bürgerschaftliches Engagement ist.  Sie haben gesehen, dass sie persönlich Verantwortung für die Zukunft Europas übernehmen können und müssen und haben dadurch auch Selbstwirksamkeit erfahren.“

 

Für ihr eTwinning-Projekt „Dystopian Visions: The Power of Literature“ wurden Benedikt Liebsch und seine Schülerinnen und Schüler mit dem Deutschen eTwinning Preis 2025 ausgezeichnet. Ein toller Erfolg für das Teletta-Groß-Gymnasium. Damit der europäische Gedanke im Schulleben weiterhin präsent bleibt, plant Benedikt Liebsch schon das nächste eTwinning-Projekt – mit den Kolleginnen und Kollegen aus Italien und Belgien sowie mit neuen Partnern aus Spanien und der Türkei.