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KI besser verstehen mit Erasmus+

Im Austausch mit Partnerschulen aus Schweden und Italien beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler des Maristen-Gymnasiums Furth (Bayern) damit, welche Chancen und Risiken die KI birgt.

„In meinem ganzen Berufsleben hat sich noch nie zuvor so viel in nur einem Schuljahr verändert“, sagt Ursula Schwoerer mit Blick auf den Wandel, den die „Künstliche Intelligenz“ in ihren Schulalltag gebracht hat.

Die Studiendirektorin unterrichtet seit 25 Jahren Französisch und Englisch und ist am Maristen-Gymnasium in der niederbayerischen Gemeinde Furth auch für Erasmus+ zuständig. Für sie lag es deshalb auf der Hand, das Thema KI im europäischen Austausch zu behandeln.

Dazu nahm sie Kontakt mit dem Istituto Piero Gobetti in Scandiano und der Kvibergsskolan F-9 in Göteborg auf. Die Begegnungen in Italien, Schweden und Deutschland rund um das Thema “Künstliche Intelligenz” fanden im Schuljahr 2025/26 statt.

Darüber hinaus wird aber auch im Schulalltag KI genutzt und darüber gesprochen, berichtet Katrin, Schülerin in der 10. Jahrgangsstufe: „Wir treffen uns weiterhin jede Woche, sprechen viel über KI und planen aktuell eine Aktion an unserer Schule. Dazu nutzen wir KI auch ganz praktisch, zum Beispiel, um Plakate zu erstellen oder Rezepte für einen geplanten Kuchenverkauf zu finden.”

Diese Schülerinnen der 10. Klasse waren mit dabei: Im Austausch mit Gleichaltrigen an den Partnerschulen in Italien und in Schweden setzten sie sich unter anderem mit dem EU AI Act auseinander, entlarvten manipulierte Fotos und wendeten KI in der Praxis an.

Schulbank drücken in Italien: Beim Austausch mit dem Istituto Piero Gobetti in Scandiano lernten die Schülerinnen und Schüler aus Furth viel Neues über Robotik und gaben für das Schulradio auf Englisch ein Interview zu dem KI-Projekt.

Ein besonderes Highlight in Italien war der Besuch im DAMA Tecnopolo (Data Manifattura) in Bologna. In diesem Innovations- und Technologiezentrum bekamen die Jugendlichen einen Einblick, wie der „Leonardo-Supercomputer” funktioniert.

Bei ihrem Gegenbesuch in Bayern konnten die italienischen Schülerinnen und Schüler das Max-Planck-Institut kennenlernen - und die berühmte Parabelrutsche an der Technischen Universität München ausprobieren.

Beim Austausch mit der Kvibergsskolan F-9 in Göteborg beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem EU AI Act und versuchten, mithilfe von KI manipulierte Fotos zu entlarven.

Foto der Lehrerin
Ursula Schwoerer unterrichtet Fremdsprachen am Maristen-Gymnasium in der niederbayerischen Gemeinde Furth.

„Wir tun oft so, als würden wir noch in den 1990er-Jahren leben. Dabei verändert sich die Welt mit KI so schnell. Das wollten wir mit dem Projekt abbilden und den Schülerinnen und Schülern einen Rucksack an Wissen mitgeben.“

Was ist der EU AI Act?

Mit dabei beim Austausch mit dem Istituto „Piero Gobetti“ in Scandiano waren die Zehntklässlerinnen Isabella und Anna: „An unserer Partnerschule haben wir am Englischunterricht teilgenommen und uns mit Computern beschäftigt. Es gab zum Beispiel einen Roboter, den wir ausprobieren durften. Es war gar nicht so einfach, ihn zu steuern. Die Schülerinnen und Schüler vor Ort haben uns aber genau erklärt, wie alles funktioniert. Außerdem haben wir gemeinsam einen Podcast über das Erasmus-Projekt aufgenommen, der anschließend im Schulradio gesendet wurde, und uns mit unseren Austauschpartnern über KI ausgetauscht“, erzählen die beiden.

Katrin und Lilly-Sophie besuchen ebenfalls die 10. Jahrgangsstufe und waren mit Erasmus+ an der Partnerschule in Göteborg. Dort beschäftigten sie sich in der Gruppe der „AI Explorers“ vor allem auch mit dem „EU AI Act“, der den Umgang mit Künstlicher Intelligenz in der Europäischen Union regulieren soll. „Dabei haben wir gemeinsam versucht, die Risikostufen verschiedener Bereiche einzuschätzen. Das war teilweise ziemlich überraschend, weil wir manche Dinge zunächst gar nicht so kritisch eingeschätzt hatten, wie sie tatsächlich sind“, berichtet Katrin. „Ich denke, dieses Wissen kann man immer wieder gut gebrauchen – zum Beispiel dafür, wie man Fragestellungen im Zusammenhang mit KI am besten formuliert. Und später im Berufsleben wird einem dieses Thema ohnehin immer wieder begegnen.“

Instagram-Account der Schule

Hier gibt es Einblicke in weitere europäische Aktivitäten.

Zu Instagram

Durch KI manipulierte Fotos erkennen

Wie leicht einen die Künstliche Intelligenz auf eine falsche Spur schicken kann, zeigte sich beim Austausch mit Göteborg: Zur Vorbereitung darauf hatten die schwedischen Schülerinnen und Schüler Aufnahmen der Stadt mithilfe von KI verändert. Die Aufgabe der deutschen Gruppe war es, zu erkennen, an welchen Stellen ein Foto manipuliert worden war.

Lilly-Sophie erinnert sich: „Es war interessant zu sehen, was sich heutzutage mit KI alles machen lässt. Uns wurde zum Beispiel eine Aufnahme vom „Götaplatsen“ gezeigt, die sehr realistisch wirkte: Man sah viele Bäume, viel Grün und einen schönen Springbrunnen. Als wir tatsächlich dort standen, war der Platz jedoch ziemlich leer und zugepflastert und von der Natur war kaum etwas zu sehen. Ein anderes Beispiel war ein großes Herz, das in ein Foto eingefügt worden war. Vor Ort gab es diese Skulptur jedoch gar nicht. Auf einem weiteren Bild hatten sich die Partner sogar selbst hineingearbeitet, was sehr lustig war.“

Die künftige Projektarbeit mit Erasmus+ ist am Maristen-Gymnasium bereits geplant und soll den Blick auf die Zukunft richten, wie Europa 2050 aussehen könnte. „Wir haben die Fragestellung bewusst weit gefasst“, sagt Ursula Schwoerer, „aber eines steht schon fest: KI wird weiterhin eine große Rolle spielen.“

Weitere Informationen und Praxisbeispiele zum Schwerpunkt „Medienkompetenz und Digitale Bildung” bei Erasmus+ 

Mehr dazu

„Wir sind Erasmus“

Was waren Ihre Eindrücke an den Schulen in Italien und Schweden?

In Schweden war alles digital und die Schülerinnen und Schüler haben nichts mit der Hand geschrieben. Allerdings ist mir aufgefallen, dass sie sich weniger in die Diskussionen eingebracht haben. An der italienischen Schule hatte ich den Eindruck, dass noch mehr mit der Tafel und Büchern gearbeitet wird. Dort fand ich toll, dass auch Kinder mit Förderbedarf gezielt in die Projektarbeit eingebunden werden, etwa durch das Schulradio, für das es ein nahezu professionelles Studio gibt.

Wie haben Sie die Partnerschulen im Ausland gefunden?

Wir haben durch unsere bisherigen Projekte schon einige Kontakte ins Ausland, aber ich versuche auch immer neue Partner zu finden. Die beiden Partnerschulen in Italien und Schweden für unser KI-Projekt habe ich über eTwinning gefunden. Eigentlich nutze ich immer eTwinning zur Partnersuche, das ist für mich der offizielle Weg – auch wenn man sich erst einmal zurechtfinden muss. Außerdem suche ich immer nur nach akkreditierten Schulen. Das ist ein Qualitätsmerkmal aus meiner Sicht, quasi wie „TÜV-geprüft“. Auch über die Erasmus+ Project Results Platform der Europäischen Union habe ich schon gesucht – das ist mühsam, aber dort kann man beispielsweise gezielt nach Schulen in Schweden suchen, die in der Vergangenheit schon vergleichbare Projekte gemacht haben und diese dann direkt kontaktieren. 

Wie machen Sie die europäische Projektarbeit an Ihrer Schule sichtbar? 

Ich sage unseren Schülerinnen und Schülern immer, dass sie Botschafter Europas sind und ein Leben lang von Erasmus+ erzählen sollen. Das wird auch gut angenommen. Wenn sie zum Beispiel am Flughafen gefragt werden, welcher Gruppe sie angehören, sagen sie sofort: „Wir sind Erasmus“. Unsere Austausche dokumentieren wir außerdem auf Instagram und auf unserer Schulwebsite. Ergänzend dazu gibt es immer wieder Ausstellungen und Infoveranstaltungen, zu denen wir auch ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer einladen, die über ihre Erasmus-Erfahrungen berichten.

Ursula Schwoerer unterrichtet Fremdsprachen am Maristen-Gymnasium in der niederbayerischen Gemeinde Furth.