Schlüsselkompetenzen über Grenzen hinweg stärken
Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, Estland, Italien und Spanien entwickelten zentrale Kompetenzen in einem praxisnahen Unterrichtsprojekt. Das Josef-Hofmiller-Gymnasium Freising (Bayern) gewann dafür den European Innovative Teaching Award.
Wie sich mithilfe von Erasmus+ ein kompetenzorientierter, interdisziplinärer und praxisnaher Unterricht umsetzen lässt und spürbare Veränderungen im Schulleben stattfinden, zeigt das Beispiel des Josef-Hofmiller-Gymnasiums. Hier setzte das Erasmus-Koordinatorenteam ein ganzheitliches, projektbasiertes Lernkonzept um, das digitale Zusammenarbeit mit Begegnungen an den Partnerschulen vor Ort verbindet. Ziel war es, grenzüberschreitend zentrale Schlüsselkompetenzen bei den Lernenden zu fördern.
In internationalen Teams arbeiteten die Schülerinnen und Schüler an Themen wie Nachhaltigkeit, europäische Identität und Digitalisierung. Der Austausch mit den Partnerschulen in Estland, Italien und Spanien verbesserte Sprachkenntnisse sowie interkulturelle Kompetenzen und Problemlösefähigkeiten.
Für die gelungene internationale Zusammenarbeit hat die Schule den European Innovative Teaching Award 2026 in der Kategorie „Schulbildung“ erhalten.
„Fragen zu europäischer Identität, Geschichte und Politik werden reflektierter diskutiert. Besonders in der Oberstufe zeigt sich in schulinternen Umfragen eine differenzierte, positive Haltung zur EU, die direkt auf Erasmus-Erfahrungen zurückgeht.“
Positive Veränderungen im Schulleben
Bei der Projektarbeit stellten die Lehrkräfte forschendes und handlungsorientiertes Lernen in den Mittelpunkt und bezogen nach Möglichkeit außerschulische Lernorte mit ein. So befassten sich die Schülerinnen und Schüler an der Partnerschule in Võru (Estland) beispielsweise mit nachhaltiger Stadtentwicklung. Die Verbindung aus Exkursionen, Workshops und projektorientierter Arbeit vor Ort führte zu ausgeprägten Synergieeffekten: Theoretische Inhalte konnten anschließend draußen in der Natur unmittelbar erlebt und reflektiert werden und hatten dadurch einen nachhaltigen Effekt. Zudem war die Auseinandersetzung mit den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen in Estland nach dem Zerfall der Sowjetunion für die deutschen Jugendlichen eine Besonderheit und eröffnete ihnen neue Perspektiven auf europäische Geschichte und Identität.
Doch dabei ist es nicht geblieben. Die Teilnahme an Auslandsaufenthalten im Rahmen des Erasmusprogramms wirkt sich aus und hat viele Bereiche an der Freisinger Schule positiv beeinflusst: Neben der nachhaltigen Steigerung von sprachlichen, interkulturellen und sozialen Kompetenzen zeigt sich bei den Schülerinnen und Schülern eine veränderte Haltung und eine Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen. Carolin Mörz, die als Lehrkraft den Austausch in Estland betreut hat, fasst ihre Eindrücke zusammen: „Diese Woche hat uns eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll Begegnungen über Grenzen hinweg sind. In der gemeinsamen Zeit wurde aus Fremdheit Vertrautheit, aus Austausch Verständnis und aus Zusammenarbeit echte Freundschaft. Wir kamen bei eisiger Kälte – und gingen mit dem Gefühl, Teil einer gemeinsamen europäischen Gemeinschaft zu sein.“
„Erasmus+ reicht weit über die Reisenden hinaus: Die Begeisterung, die frischen Ideen und die neuen Perspektiven inspirieren unsere gesamte Schulgemeinschaft – eine einzigartige Chance für unsere Schule und für junge Europäer.“
Erasmus+ als Motor für Schulentwicklung
Längst ist Erasmus+ zu einem Motor für Innovation geworden und fest im Schulleben verankert. Die „Europäisierung“ des Schulalltags wirkt in viele Bereiche hinein und hat eine motivierende Wirkung für alle Beteiligten. Dies führt zu einer nachhaltigen Weiterentwicklung des Unterrichts: So hat die Schule etwa projektbasiertes und kooperatives Lernen aus den Mobilitäten fächerübergreifend in den Regelunterricht übertragen. Inzwischen arbeiten Schülerinnen und Schüler häufiger eigenständig und problemorientiert in Teams. Besonders im MINT-Bereich greifen die Lehrkräfte Themen wie Biodiversität, Ressourcennutzung oder Klimawandel praxisnah auf. Durch die Zusammenarbeit mit Partnerschulen setzen sich die Lernenden mit konkreten Szenarien auseinander, zum Beispiel Wasserknappheit in Italien, nachhaltige Stadtentwicklung in Estland oder ressourcenschonender Konsum und Upcycling in Spanien.
Von Jahr zu Jahr profitieren mehr Schülerinnen und Schüler von den vielfältigen Möglichkeiten, und das Interesse an internationalen Mobilitäten wächst stetig. Gleichzeitig konnte die Schule das Netzwerk an Partnerschulen erweitern, wodurch sich neue inhaltliche und kulturelle Perspektiven eröffnen. Die Schülerin Amaya beschreibt ihre Erfahrungen: „Dank Erasmus+ konnte ich viele lebendige Kulturen in ganz Europa kennenlernen. Und je mehr ich reiste und Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund traf, desto stärker wurde mein Wunsch, das Leben außerhalb meines Heimatlandes zu erleben. Ein Auslandsstudium fühlt sich nun wie der nächste Schritt an, um Europa zu erkunden und unabhängiger zu werden.“
Ein Aspekt, der ebenso wichtig ist: Erasmus+ bedeutet auch, Gastgeber zu sein. Die regelmäßige Aufnahme von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften aus dem Ausland bringt den europäischen Geist direkt an die heimische Schule und stärkt den interkulturellen Austausch im Schulalltag nachhaltig. Erasmus+ wirkt somit weit über einzelne Projekte hinaus und prägt das Josef-Hofmiller-Gymnasium als offenen, europäischen Lernort.